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Internet über TV-Kabel: Lokale Verfügbarkeit

Technische und strategische Problemstellungen sind nicht der einzige Grund, warum sich das Kabel-TV-Internet noch nicht so dynamisch entwickelt hat. Entscheidenden Einfluss haben z.B. auch die kommerziellen Erwägungen der Betreiber. Der Ausbau einer lichtwellenleiterbasierenden und rückkanalfähigen Kabelinfrastruktur verursacht Aufwendungen in Milliardenhöhe. Daher ist es nicht verwunderlich, dass die Betreiber für jeden Investitionsschritt eine Wirtschaftlichkeitsberechnung machen. In vielen Fällen hat diese das allbekannte Ergebnis: In Ballungsräumen hat man eine hohe potenzielle Nutzerzahl und damit deutlich niedrigere "Pro-Kopf-Kosten". Der Ausbau wird deshalb zügig vorangetrieben. In zersiedelten, meist ländlichen Regionen hingegen sieht die Amortisationsrechnung für die Dienstebetreiber deutlich schlechter aus und die erforderlichen Ausbaumaßnahmen werden gar nicht, äußerst zögerlich oder nur gegen Kostenbeteiligung von dritter Seite (Kommune,..) in Angriff genommen.

Wer also in einem schwächer besiedelten Gebiet wohnt, muss zumindest noch einige Zeit (ca. 1 -  3 Jahre) auf einen TV-Kabelinternet- zugang warten. Hoffnung besteht eventuell dann, wenn gleichzeitig weitere interaktive, TV-nahe Dienste wie z.B. das Interaktive Fernsehen oder Video on demand eingeführt werden. Dadurch ergibt sich für die Provider eine bessere Rentabilitätsrechnung.

Zu den technologischen und kostenbezogenen Hemmnissen gesellen sich aber leider auch noch medienpolitische und medienrechtliche Hürden.

Ein Hemmfaktor, der sich dem TV-Kabel auf seinem Weg zum integrierten Multimedia-Anschluss in den Weg stellt  ist der folgende: In Deutschland ist, im Gegensatz zu anderen Ländern, in denen die Betreiber einer Region das gesamte Kabel von der Einleitungsstelle der Programme bis hin zum Kunden kontrollieren,  das Kabelnetz in vier Netzebenen/Zuständigkeiten gegliedert:

  • Ebene 1 für die Programmproduktion (z.B. Fernseh- und Radiosender)
  • Ebene 2 für den Betrieb der so genannten Kopfstationen, die die TV- und Radiosignale empfangen und weiterleiten
  • Ebene 3 für die Straßenverteiler 
  • Ebene 4 für die Hausverteiler.

Diese unterschiedlichen Zuständigkeiten zu koordinieren erweist sich als äußerst kompliziert und zeitintensiv. Grund hierfür ist die Aufteilung der medienpolitischen Zuständigkeiten, die ihren Ursprung in den achtziger Jahren hat, als die Telekom mit dem Aufbau der ersten TV-Kabelnetze begann.

Kaum ein Betreiber ist aber im Besitz sämtlicher Netzebenen. Selbst das Kabelnetz der Telekom endete meist an der Grundstücksgrenze. Für den Hausanschluss wiederum sind Hauseigentümer, Wohnungs- gesellschaften, Antennenbauer oder andere private Betreiber zuständig. Allein die Zahl kleiner und kleinster Betreiber, die sich auf Netzebene 4 tummeln, wird auf mehrere Tausend geschätzt. Dahingegen gibt es nur wenige große Betreiber, die eigene Kopfstationen betreiben.

Die Interessenkonflikte sind vorprogrammiert: Sie entstehen an der Schnittstelle von Netzebene 1 zu den anderen Netzebenen, wo Programmanbieter (Netzebene 1) und Kabelbetreiber (Netzebenen 2 bis 4) sich über Urheberrechte und Einspeisungsgebühren streiten. Zu einer Einigung in dieser Streitfrage kam es nach langem Tauziehen erst im November 2003, als der Fachverband für Rundfunksempfang und Kabelanlagen (FRK) mit den in der VG Media zusammengeschlossenen Privatsendern einen Rahmenvertrag zur Regelung der Urheber- rechtsgebühren abschloss. Darin sind einerseits die "Transport- entgelte", die die Kabelnetzbetreiber von den Sendern für die Durchleitung der Programme fordern dürfen, und andererseits der Prozentsatz der Kabelgebühren, die die Netzbetreiber an die Urheberrechteinhaber abführen müssen, geregelt.

An der Schnittstelle von Netzebene 3 zu Netzebene 4 suchen große und kleine Netzbetreiber nach geeigneten Konditionen zur Verrechnung ihrer Leistungen. Die kleinen Kabelnetz-Anbieter (Wohnungsgesellschaften, Antennenbauer, etc.), deren eigenes Kabel nur wenige Meter vom Kundenanschluss bis zu den großen Kabelleitungen in der Straße reicht, müssen sich hier den Vorwurf gefallen lassen, nur Nutznießer des ehemals mit staatlichen Subventionen aufgebauten Kabelnetzes zu sein. Es wird ihnen angekreidet, sie würden zu viel zu geringen Gebühren die Kabelnetze anzapfen, aber einen Großteil der Kabelgebühren einstreichen – Netzebene 4 gilt als die weitaus profitabelste Netzebene. Trotz allem:  Nach und nach lösen sich die Probleme, so dass auch das TV-Kabelinternet als akzeptable Alternative gelten kann.

Als Beispiel für die Region Baden-Württemberg ist der Provider Kabel-BW zu nennen, der dabei ist, zunächst eine ringartige Hochleistungstrasse mit Projektnahme „Neptun“ zu realisieren und dann in Folge einzelne Kommunen zu erschließen. Dieser Ring reicht von Stuttgart über Ulm – Ravensburg- Singen - Villingen – Böblingen (siehe auch Bild 4.3).

Bild 2.6: Projekt NEPTUN von Kabel-BW; Quelle: Kabel-BW
Bild 4.3: Projekt NEPTUN von Kabel-BW; Quelle: Kabel-BW

Bis 2010 soll die komplette Kabel-TV-Infrastruktur auf digital umgestellt sein. Über 3 Mio. Haushalte sollen davon profitieren.

Für die Nutzung des Internets mittels des TV-Kabels dürfte es wohl in weiter vom Hochleistungsring entfernt liegenden Orten frühestens Mitte 2006 eine Lösung geben.

 

Verfügbarkeit prüfen:

Den aktuellen Status betreffend den Provider Kabel-BW kann man derzeit  http://www.kabelbw.de/index.php?id=2067&psid=f2d753eeec82b9cb51f311
im Internet prüfen.

Weitere Informationen darüber, in welchen Städten und Regionen Internet über das TV-Kabel zu welchen Konditionen angeboten wird finden sich im Internet unter http://www.teltarif.de/i/tv-anbieter.html