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Internet über Satellit: Grundlegende Informationen

Art der Lösung

Wie bereits erörtert, benötigt auch eine Kabel-TV-Lösung eine Satellitenverbindung. Es war deshalb nahe liegend, über eine Lösung nachzudenken, die, unter Ausnutzung des bestehenden Satelliten- Fernsehens, einen Internetzugang ermöglicht, ohne den Weg über eine Kabelverbindung zu gehen. Ein derartiger Lösungsansatz hat den Vorteil, dass der Internetzugang nahezu flächendeckend und praktisch für Jedermann möglich wäre. Was auf den ersten Blick viel versprechend klingt, hat aber in der Praxis leider einige Schwächen und Tücken. Wie bereits beim TV-Kabelinternet erwähnt, stellte auch hier der Rückkanal, zumindest bei den ersten Lösungsansätzen, eine technische Problemhürde dar.
Das Internet ist ein nun mal interaktives, dialogorientiertes Medium und benötigt daher bei nahezu allen Nutzungsvorgängen einen Rückkanal. In der Vergangenheit musste dieser über das Telefonnetz (ISDN oder analog) realisiert werden, wodurch dann ein Point-to-Point-Protocol (PPP) unterstützt wurde. Die Durchsatzleistung dieses Rückkanals ist aber in aller Regel um ein Vielfaches geringer als die des Downkanals. Da diese Zugänge leider noch nach Zeit abgerechnet wurden,  war der Internet-Zugang über Satellit nur für Kunden interessant, welche hohe Datenmengen in kurzer Zeit downloaden wollen. Stundenlanges surfen, wie es mit Flatrates oder volumenbasierten Tarifen bei DSL möglich ist, erlaubten diese Internetzugänge via Satellit und Telefon nicht. Außerdem bedingt ein langsamer Rückkanal eine Reihe von Einschränkungen die sich u.a. bei Streaming- Anwendungen wie Sprache/Musik sowie bei stark interaktions-/reaktionsbetonten Anwendungen (z.B. Computerspielen) als nachteilig oft sogar als unüberwindbar erweisen.

Rückkanalfähiges Satelliten-Internet

In jüngster Zeit (seit 2008) wurden nun Lösungsansätze entwickelt, die den Umweg über das Telefonnetz vermeiden und den Rückkanal ebenfalls über den Satellit realisieren. Dadurch können einige der bisherigen Nachteile vermieden werden – allerdings erweisen sich die wegen der großen Entfernungen vom/zum Satellit vorhandenen, vergleichsweise langen Signallaufzeiten noch als gewisser Nachteil und derzeit sind die Rückkanalraten mit 384 kbit/s. auch nicht gerade berauschend. Da aber satellitengestützte Internetzugänge vor allem für Einzelgehöfte, kleinere und abseits gelegene Ansiedlungen meist die einzige Lösungsmöglichkeit darstellen, kann dieser Nachteil in Kauf genommen werden.
Ab 2010 soll sich die Situation aber ohnehin verbessern, in dem die Anbieter auch im privaten Nutzerbereich Downloadraten im Bereich von 10 MBit/s. und Uploadraten von ca. 1 Mbit/s. zu akzeptablen Preisen angekündigt haben.

Um die Leistungspotenziale derartiger Lösungen neutral ermitteln und testen zu können, hat das Land Baden-Württemberg aktuell (Stand Oktober 2009) für mehrere Orte entsprechende Pilotprojekte ausgeschrieben über deren Status wir Sie in der Rubrik „Aktuelles“  informieren.

Erforderliche Infrastruktur(en)/Systemkonzept/Nutzungs-/ Zugangsvoraussetzungen

Die Abbildung 8.1 und 8.2 zeigen die beiden oben erläuterten, prinzipiellen, für eine Satelliten-Internet-Nutzung erforderlichen Gesamtkonfigurationen.

Bild 8.1: Internet via Satellit und Rückkanal über Telefon – am Beispiel von Sky-DSL; Quelle: DSL-Magazin
Bild 8.1: Internet via Satellit und Rückkanal über Telefon – am Beispiel von Sky-DSL; Quelle: DSL-Magazin
Bild 8.2: Internet via rückkanalfähigem Satellitensystem – am Beispiel eutelsat-
Bild 8.2: Internet via rückkanalfähigem Satellitensystem – am Beispiel eutelsat-

Um ein derartiges Angebot nutzen zu können benötigt man neben den Versorgungssatelliten in der Regel folgendes Equipment:

  • Satellitenantenne (meist zusätzlich zur evtl. bereits vorhandene „Fernsehschüssel“)
  • Universal-LNB, für den zeitgleichen Empfang von TV- und Hörfunkprogrammen Doppel-LNB
  • DVB-S PC-Karte oder DVB-S USB-Box (Nutzerterminal)
  • herkömmlicher analoger oder ISDN-Telefonanschluss bzw. Mobilfunk bzw. integriert in Nutzerterminal für Rückkanal über den Satellit
  • Adapter für den Rechner/PC/Notebook (evtl. ebenfalls integriert in Nutzerterminal)

Die  nachfolgende Abbildung 8.3 zeigt eine Konfigurationsübersicht des Anbieters ASTRA

Bild 8.3: Konfigurationsübersicht des Anbieters ASTRA
Bild 8.3: Konfigurationsübersicht des Anbieters ASTRA

Stand der Technik

Satelliten-Internet ist potenziell nahezu an jedem Ort und rund um die Uhr verfügbar. Erforderlich ist lediglich ein geeigneter Aufstellplatz für die Satellitenantenne.

Für Endkunden ist der Satellitenzugang von Zwei-Wege-Satelliten zwar relativ neu, aber durchaus beherrschbar  und hat sich schon seit längerem beim Einsatz an weltweit, vor allem  an zahlreichen Unternehmensstandorten, bewährt.

Auch die übrigen, o.g. erforderlichen Komponenten sind in der Regel technisch ausgereift und verfügbar. Für die Nutzung eignet sich ein modernerer PC/Notebook mit USB-Anschüssen oder auch einem Steckplatz für eine PCMCIA-Karte. Das Problem des eingeschränkt leistungsfähigen Rückkanals führt beim Telefonrückkanal, nicht zuletzt aufgrund der durch die hohen Satellitenentfernungen entstehenden, längeren Signallaufzeiten, zu vergleichsweise hohen so genannten „Pong-Zeiten“ (Zeit für eine erforderliche Interaktion/Reaktion auf eine so genannte „Ping-Aktion“). Bei einem satellitenorientierten Rückkanal ist dieses Problem abgemildert ab nicht gänzlich zu vernachlässigen. Außerdem können Einschränkungen oder gar Totalausfall auch durch starken Regen oder Schneefall verursacht werden.

Die Installation und Inbetriebnahme muss aufgrund der erforderlichen Präzision in der Regel durch technisch versiertes Personal vorgenommen werden.