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Einführung: Entwicklungstendenzen

Seit je her war das Vorhandensein von Infrastrukturen ein entscheidender Faktor für die Existenz einer Gesellschaftsform (siehe Abbildung 1.1). Je nach Gesellschaftsform sind diese Infrastrukturen völlig unterschiedlich. Während die Agrargesellschaft durch Ackerland, Vieh und menschliche Arbeitskraft maßgeblich geprägt war, standen bei der Produktionsgesellschaft Maschinen, Rohstoffe, Energie und Verkehrswege im Mittelpunkt.

Bild 1.1: Entwicklung der Gesellschaftsformen (Skizze)
Bild 1.1: Entwicklung der Gesellschaftsformen (Skizze)

Dass wir uns auf dem Weg in die Informationsgesellschaft befinden lässt sich an vielen Indikatoren erkennen. So nimmt beispielsweise der Anteil der Informations- und Telekommunikationsprodukte und - dienstleistungen am Brutto-Inlandsprodukt der Bundesrepublik seit Jahren zu und auch die Zahl der Beschäftigten in diesem Bereich ist selbst in Zeiten der Rezession gewachsen.
Ein weiterer Indikator ist die wachsende Zahl der Breitbandanschlüsse. Während im Jahr 2006 nur 37 % der Haushalte in Deutschland einen Breitbandzugang hatten sind es aktuell schon deutllich über 50 %.
Weiteres interessantes Zahlenmaterial hierzu findet sich beim Branchenveband BITKOM unter:
http://www.bitkom.org/de/markt_statistik/806.aspx (Stand 11/2009)

Ob diese Entwicklungen ausreichen, die Hauptziele der im Frühjahr 2009 veröffentlichten Breitbandstrategie der Bundesregierung in die Realität um zu setzen bleibt abzuwarten. Demgemäß sollen bis 2014 Dreiviertel aller Haushalte über eine Anschlußgeschwindigkeit von mindestens 50 MBit/s. verfügen.
Der Strategiebericht ist im pdf-Format unter anderem abrufbar unter:
http://www.zukunft-breitband.de/BBA/Navigation/Service/publikationen,did=290026.html (Stand 11/2009)

Deutschland nimmt, was die Verbreitung von Breitbandanschlüssen anbetrifft, derzeit keine führende Position ein. Länder wie Frankreich, Großbritannien und vor allem die skandinavischen Ländern verfügen über teilweise weit bessere Breitbandinfrastrukturen.

Trotz der hohen Bedeutung der neuen Infrastrukturen wäre es ein Fehler, durch den (sich evolutionär vollziehenden) Wandel der Gesellschaftsformen, den Bedarf an Infrastrukturen der "Vorgängergesellschaft" zu vernachlässigen. Dies gilt in besonderem Maße gerade für den Übergang von der Industrie- auf die Dienstleistungsgesellschaft.

Vielmehr muss man von der Koexistenz auch früherer Infrastrukturen ausgehen, oder in anderen Worten ausgedrückt: Der Infrastrukturbedarf der Industriegesellschaft hat sich seit Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts um die Elemente Computersysteme und Telekommunikation auf Basis analoger Technik erweitert. Mit dem zunehmenden Einsatz digitaler Technik (ab ca. 1960) wurde mehr oder weniger der Beginn der Informationsgesellschaft eingeläutet.

Wie die nachfolgende Auflistung von Standortkriterien für Industrieunternehmen belegt, waren ländliche Regionen schon immer benachteiligt, da sie, gemessen an dieser Anforderungsliste, gravierende Defizite aufwiesen
Wichtige Kriterien für Industrieansiedlung waren und sind:

  • Verkehrsinfrastrukturen
  • Verfügbarkeit von Rohstoffen und Zulieferkomponenten
  • Gewerbeflächen
  • Know-Potenzial und Fachkompetenz der Region
  • Verfügbarkeit von geeignetem Personal
  • Nähe zu Kooperationspartnern  - und neuerdings auch
  • Verfügbarkeit von Telekommunikationsnetzen und - diensten

Bei genauerer Betrachtung zeigt sich, dass die Defizite gegenüber Ballungsräumen nicht oder nur mit großem Aufwand ausgleichbar gewesen wären, so dass meist gravierende Nachteile gegenüber urbanen Regionen entstanden.

Die Konsequenz war, dass ländliche Regionen eine z.T. deutlich geringere Wirtschaftskraft hatten oder, anders ausgedrückt, einen anteilig geringeren Beitrag zum Bruttosozialprodukt leisten konnten.

Die entstehende Dienstleistungs-/Informationsgesellschaft benötigt somit die synergetische Koexistenz der Infrastukturen der Produktionsgesellschaft und der Kommunikations- und Dienstleistungsgesellschaft nicht nur in Ballungsräumen sondern auch in ländlichen Regionen. Dann können auch die dort verbreitet angesiedelten klein- und mittelständische Unternehmen von den globalen Märkten profitieren und damit Arbeitsplätze sichern und schaffen.


Die Einrichtung dieser „Digitalen Infrastrukturen“ ist, verglichen mit dem Aufwand für Infrastrukturen wie Schiene, Autobahn etc., deutlich günstiger. Vor allem das weltweit auf Basis einheitlicher Standards funktionierende Internet verursacht vergleichsweise geringen Investitionsaufwand.
Dadurch entsteht zum ersten Mal die Chance, auch ländlichen Regionen den Zugang zu weltweiten Ressourcen und Märkten zu verschaffen und damit das Defizit gegenüber urbanen Regionen zu mindern oder gar auszugleichen.
Es muss Ziel jeder Politik und Regierungsverantwortung sein, den Prozess zum Ausgleich der bisherig existierenden Defizite zu fördern.
Allein ein Blick auf den Verfügbarkeitsstatus schneller Internetzugänge in ländlichen Bereichen Baden-Württembergs zeigt, dass wir von diesem Ziel derzeit noch ein gutes Stück entfernt sind. Neben dem Bemühen diese Infrastrukturen schnellstmöglich zu schaffen, muss in der Übergangszeit darüber nachgedacht werden, welche Alternativen verfügbar sind.
Die weiteren Inhalte dieses Informationsportals konzentrieren sich deshalb auf die Darstellung und Erörterung der möglichen Alternativen für das „Schnelle Internet“. Die Betrachtungen erfolgen anhand relevanter Kriterien.